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Halsband oder Hundegeschirr, was ist besser?

 

Diese Frage sorgt für Diskussionen bei Hundebesitzern, Hundetrainern und auch bei Therapeuten.

Meiner Meinung nach hat beides seine Berechtigung, es gibt sicherlich für beide Seiten ein dafür und dagegen. Für mich als Tierphysiotherapeutin und ehemalige Hundesportlerin im Bereich Vielseitigkeit / Schutzhundesport, Fährten und der Rettungshunde kann ich aus langjähriger Erfahrung sprechen. Es geht mir um die Aufklärung der Hundebesitzer, die Darstellung der Kräfte, welche wo auf den Hundekörper wirken.

Als erstes komme ich zum Halsband. Dieses umschließt den Hals und die Druckverteilung umfasst nur wenige Zentimeter breite. Je schmaler ein Halsband ist, desto höher die Kräfte, welche auf die Wirbelsäule, Luftröhre, den Kehlkopf, die großen und auch kleinen Halsgefäße und nicht zu vergessen, auch auf den Kehlkopf drücken. Extrem ungünstig sind ruckartige Kräfte oder ein ständiger Druck auf den Hals. Scherkräfte, wie sie bei seitlichem Krafteinwirkungen vorkommen, belasten die empfindliche Halswirbelsäule. Nicht selten kommt es im Laufe der Jahre zu chronischen, degenerativen Erkrankungen dort wie Sponlylosen, Arthrosen, Bandscheibenproblematiken bis hin zum Bandscheibenvorfall.

Extrem breite Halsbänder bei kleinen Hunden, welche dann den Kopf nicht mehr drehen können, halte ich für eine unsinnige Modeerscheinung. Auch wenn hier die Druckverteilung am Hals größer ist.

Auf Halsbänder zu Traingingszwecken möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Nur ein kurzes Statement zum Würgehalsband! Früher sah ich diese Halsbänder häufig, heute Gott sei Dank nur noch sehr selten. Diese können u. a. Verursacher von Zungenbeinfrakturen sein!

Nun möchte ich euch etwas über die Geschirre erzählen, auch dort gibt es gute, weniger gute und wirklich schlechte bis, meiner Meinung nach, gefährliche Hundegeschirre.

Als erstes Geschirr ist hier das Norweger-Geschirr, ein Sattelgeschirr, wie z. B. das Julius-K9-Geschirr zu benennen. Ich sehe viele Hunde mit diesem Geschirr, auch ich hatte dieses Geschirr vor ca. 15 Jahren für meinen Hund sowohl bei Spaziergängen als auch im Hundesport. Es rutschte nicht und war stabil.

Allerdings fiel mir nach relativ kurzer Zeit auf, dass sich bei meinem Hund wiederholte Blockaden im Bereich der Brustwirbelsäule bildeten. Nach Rücksprache mit meiner Hundephysiotherapeutin ( das war vor meiner Ausbildung zur TPT ) riet sie mir, das Geschirr gegen ein H-Geschirr zu tauschen. Und siehe da, Wotan hatte nie wieder Blockaden in der Brustwirbelsäule.

Jetzt erkläre ich auch auch, warum das so ist. Man sehe sich dazu die Anatomie eines Hunden an.

Professor Dr. Martin S. Fischer führt zur Bewegung des Hunde seit vielen Jahren Studien. Sehr interessant ist auch sein Buch „ Hunde in Bewegegung “ und Videos auf YouTube.

Durch das Durchleuchten von Hunden in der Bewegung mit ca. 2000 Bildern in der Sekunde konnte Dr. Fischer darstellen, wie das Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Gelenken tatsächlich aussieht.

Dabei wurde erkannt, dass die Bewegung des Schulterblattes beim Hund nach bei der Vorführung der Vordergliedmaße bis zum 4. / 5. Halswirbel und bei der Rückführung der Gliedmaße bis zum 6. Brustwirbel reicht. Da heißt, ich darf kein Geschirr verwenden, welches die Bewegung der Schulter und des Schultergelenkes blockiert oder einschränkt. Dieses ist beim Sattelgeschirr immer der Fall. Dazu kommt noch, dass es häufig oberhalb des Brustbeins sitzt und auf den Kehlkopf bzw. die Luftröhre drückt. Wenn ihr ein solches Geschirr nutzt, fühlt bitte selber einmal nach dem Schultergelenk. Ihr werdet sicher feststellen, dass der Brustgrurt genau auf dem Buggelenk sitzt.

Nun stellt euch einmal vor, euch schnallt jemand einen engen Gürtel um Brust und Arme. Könnt ihr eure Arme noch frei bewegen? Probiert es aus.

Ein H-Geschirr sitzt dann richtig, wenn es sowohl das komplette Schulterblatt als auch die Vordergliedmaßen komplett frei beweglich sind und kein Druck oberhalb des Brustbeins ausgeführt wird. Das ist z. b. beim Schlittenhund-Geschirr der Fall. Auch darf der Brustgurt nicht unmittelbar hinter dem Ellenbogen am Brustkorb entlang geführt werden, da sich hier nicht unerheblich wichtige Nervenbahnen befinden. Bitte immer darauf zu achten, dass der Brustgurt ca. eine Hand breit ( bei großen Hunden ) hinter dem Ellenbogen entlang verläuft.

Noch ein Wort zu den Anti-Zieh- / Halti-Geschirren, welche ich leider immer mal wieder an Hunden sehe.

Ich halte diese Geschirre für wenig sinnvoll, meiner Meinung nach ist dann eine Kombination aus Halsband und Geschirr sinnvoller.

Bei diesen Geschirren ist der Befestigungspunkt für die Leine in der Mitte des Brustkorbes vor dem Brustbein. Beim Zug des Hundes nach vorne führt es zu Verdrehungen in der Wirbelsäule, zu Blockaden dieser und zu Fehlbelastungen der Muskeln und Gelenke. Das kann auf Dauer fatale Folgen haben!

Leider habe ich auch schon Hunde an diesen Geschirren mit einer Schleppleine gesehen. Stellt euch einmal vor, ihr sprintet geradeaus und plötzlich kommt ein harter Ruck von hinten oder hinten -seitlich. Was passiert? Ihr rotiert um eure eigene Achse und werdet von den Füßen gerissen. Wenn es richtig blöd läuft, könnt ihr schwerere Verletzungen davon tragen. Blockaden sind noch das geringste Risiko dabei Eigentlich logisch, oder?

 

Schleppleinen als bitte IMMER an gut sitzende Geschirre, wenn dieses nötig ist.

 

Übrigens, es gibt auch für große und ( sehr ) kräftige Hunde maßgeferigte Geschirre aus Biothane mit Neoprenpolsterung, die nicht teurer sind als ein anderes Geschirr.

( Foto dazu siehe Muskelaufbau )